Der Füßewascher

Der Füßewascher

„Wer in führender Stellung ist, soll sein wie der, der dient.“ (Lukas 22,26)

 

„Benimm dich!“,

lautet der elterliche Imperativ. Seit dem Kindergarten stimmen Erzieher und Lehrer in diesen Kanon ein. Meistens geht dieser Aufforderung ein auffallendes Verhalten der Mündel voraus, und so lernt man, „sich benehmen“ bedeute, nicht negativ aufzufallen.


„Bleib anständig!“
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gibt man jungen Leute öfter auf den Weg mit. Damit ist mehr gemeint, als unauffällig bleiben. Aber was ist Anstand? Hilft Knigge da weiter? Ja und Nein. Nein, wenn unter Knigge Etikette und Benimmregeln gemeint sind. Ja, wenn man dem alten Herrn Knigge abnimmt, dass Benehmen eine solide Grundlage braucht. In seinem Buch Über den Umgang mit Menschen schreibt er:

„Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. – Das heißt: Ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.“[1]


„Sei nicht so egoistisch!“
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fordert der Partner in einer Beziehung. An andere denken, Verantwortung übernehmen – das gehört zum Erwachsenwerden. Leider ist das für viele junge Leute Neuland: erst jetzt merkt man, dass man nicht nur an sich selbst denken darf.

„Wer in führender Stellung ist, soll sein wie der, der dient.“

Unerhörte Worte! Wer fordert denn das!? Soll er das erst mal vormachen! – Was Jesus im Lukas-Evangelium sagt (Kapitel 22, Vers 26), ist keine biedere Moral. Nein, er hat seinen Schülern anschaulich gezeigt, was er meint: Das erste Abendmahl lief nicht so idyllisch ab, wie manche Bilder vermitteln. Kein Heiligenschein, keine geheimnisvolle Atmosphäre, sondern Streit.

Direkt nach dem Abendmahl stritten die Schüler sich, wer von ihnen wichtiger sei! Wie reagiert Jesus? Er sagt nicht „Benehmt euch mal. Ihr seid schließlich anständige Apostel!“ Er steht schweigend auf, legt sein Obergewand ab, bindet sich ein Tuch um, gießt Wasser in eine Waschschüssel und macht sich an die Arbeit: Wie ein Diener seinem Herrn im Orient die Füße zu waschen hatte, wäscht er, der große Lehrer, die Füße seiner Schüler. Ein Schüler wehrt erstmal ab – diese Arbeit war doch nicht für Jesus! Aber Jesus besteht darauf. Er erklärt:

„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Die Bibel: Johannes 13,15).

„Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe.“

Nach dieser Lektion dürfte jedem Schüler von Jesus klar sein, was er meinte: Denkt von den Anderen höher, als von euch selbst (vgl. Die Bibel: Philipper 2,3–5)! Aber wie geht das? Scheitert das Ganze nicht am egoistischen Menschen?

Gott ist die Liebe.

Wer Gott kennt, wird durch den Umgang mit ihm auch fähig, zu lieben. Jesus hat alles dafür getan, dass der Mensch zu Gott kommen kann: Alles, was den Menschen von Gott trennt – die Sünde – hat Jesus aus der Welt geschafft (vgl. Die Bibel: Kolosser 2,14). Wer das glaubt, kann zu Gott kommen und mit ihm leben. Für diese Menschen gilt, was Jesus gesagt hat: „Ich habe ihnen deinen [Gottes] Namen offenbart und werde es auch weiterhin tun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, auch in ihnen ist …“ (Die Bibel: Johannes 17,26)

#denkweiter: Die Bibel: Johannes 13,1–17

 

[1] Adolph Freiherr von Knigge: Über den Umgang mit Menschen, Neudruck der fünften Auflage, Stuttgart 2002, S. 444.

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