Der Schuldvergeber

Der Schuldvergeber

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23,34)

Grausam.

Aufs schändlichste verleumdet, erniedrigt und ausgepeitscht musste Jesus nach der Verurteilung zum Tod sein Kreuz zum Ort der Hinrichtung tragen. Diese Stelle hieß zu Recht Golgata, denn das bedeutet Schädel. Was hatte er eigentlich angestellt?

Ungefähr drei Jahre zuvor war Jesus an die Öffentlichkeit getreten. Seine Reden waren überzeugend und kraftvoll. Das erregte Aufsehen. Aber er redete nicht nur. Alles was er tat, entsprach Gottes Forderungen. Jesus zeigte in vielen Situationen, dass er über den Naturgesetzen steht: Er heilte Blinde, Gehörlose, Behinderte, Leprakranke, trieb Dämonen aus und weckte Tote wieder auf. Er stillte Seestürme und ging auf dem Wasser. Aus wenig Brot und Fisch ließ er eine sättigende Mahlzeit für Tausende werden. Allen war klar, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist. Was er tat, konnte nur Gott tun!

Religiöse Führer

Aber die religiösen Führer der Juden konnten ihn nicht ausstehen. Sie behaupteten, Jesus sei mit dem Teufel im Bund, ein böser Zauberer. Auf keinen Fall wollten sie ihre Machtposition wegen Jesus verlieren. Sollten sie seinetwegen uralte Traditionen aufgeben? Da war jedes Mittel recht, ihn aus dem Weg zu schaffen: Intrigen, Bestechung und falsche Zeugenaussagen. Endlich waren die gehassten Römer, die ihr Land besetzten, für etwas gut. Nur sie konnten die Todesstrafe verhängen. Der Richter wurde genötigt, ein Todesurteil zu fällen. Jesus wurde als aufständischer Nationalist zum Tod am Kreuz verurteilt.

Vier Soldaten

Vier Soldaten hatten die Aufgabe, Jesus und zwei weitere Abgeurteilte zu kreuzigen und anschließend die Hinrichtungsstelle zu bewachen. Qualvoll und langsam sollten die Rebellen sterben. Und niemand sollte sie befreien. Die Soldaten machten ihre „Arbeit“ professionell: Zuerst bekamen die Abgeurteilten ein Mischgetränk, das ihre Sinne wie ein Schmerzmittel benebelte. Klingt human, ist aber eine Maßnahme, die den Tod hinauszögern und damit die Qualen verlängern soll. Anschließend wurden Hände und Füße an das Holzkreuz genagelt. Die Soldaten wussten, wie man das macht, denn sonst würde das Gewebe das Körpergewicht nicht aushalten und der Gekreuzigte würde vom Kreuz fallen. Besonders, wenn das Kreuz aufgerichtet wurde und mit einem Ruck ins vorbereitete Loch fiel. Einige geschickte Hiebe und Handgriffe und schon hingen sie da, die barbarischen Rebellen.

Grausames Handwerk

Ihr „Handwerk“ brachte ihnen außer ihrem Sold weiteren Profit ein: Sie teilten die Kleidung der Gekreuzigten unter sich auf. Da waren manchmal wertvolle Sachen dabei, die zum Auftrennen zu schade waren; da spielte man einfach um das gute Stück und ließ den Zufall entscheiden. Arbeiten und sich amüsieren – so konnte man die Schicht überstehen. Aber es konnte auch unerträglich werden, denn die Gekreuzigten schrien und fluchten höllisch; da blieb eine Maßnahme: die Zunge herausschneiden.[1]

Der Mann am mittleren Kreuz …

… war wohl stumm. Nein, er hat da eben etwas gerufen. Was sagt er da!? Er verfluchte sie nicht. So etwas hatte es noch nie gegeben! Was war das für einer!? Sie hatten ihn brutal misshandelt und er, er bat den Gott der Juden, den er Vater nannte, er möge ihnen vergeben, denn sie wüssten nicht, was sie tun! Der war wahnsinnig geworden oder nicht von dieser Welt!

Die Soldaten kannten sich aus. Aber sie wussten nicht, was sie eben getan hatten: Sie vollstreckten nicht nur das Urteil nach dem römischen Recht; sie vollstreckten an dem Sohn Gottes das Urteil Gottes an der sündigen Menschheit! Nach stundenlangem Leiden starb er. Kurz davor stieß er den seltsamen Schrei aus: „Es ist vollbracht!“[2]

Was ist da passiert?

Warum musste Jesus so sterben? Gott hat die Sünden der Menschen auf seinen Sohn gelegt. Jesus wurde zur Sünde gemacht.[3] Gottes Zorn und Strafe, die jeden Sünder treffen müssten, hat Jesus freiwillig ertragen, weil er die Menschen liebt. Niemand kann seine Schuld vor Gott selber begleichen. Das konnte nur Jesus Christus. Jesus hat bezahlt. Für jede Sünde. Für Menschen, die Gott den Rücken gekehrt haben! Ja, für mich und Dich! Und Gott hat die Bezahlung von Jesus angenommen.[4]

#denkweiter: Die Bibel: Lukas 23,33–47

 


[1] vgl. Fruchtenbaum: Das Leben des Messias. 8. Auflage. Hünfeld: CMD, 2015. S. 113

[2] aus: Johannes 19,30

[3] vgl.2. Korinther 5,21

[4] vgl. Kolosser 2,14

 

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